MATERIALARBEIT
Allgemein
Die Materialarbeit stellt eine wesentliche Grundlage für unsere pädagogischen Konzepte und für die Lernorganisation hier an unserer Schule dar. Genau wie Maria Montessori sind wir davon überzeugt, dass der Zugang zum kindlichen Denken nicht auf abstraktem Wege, sondern grundsätzlich über die Sinne und, im wahrsten Sinn des Wortes, über das Begreifen des Kindes erfolgen muss. Mit einer wohl durchdachten Vielfalt kindgerechter und sehr anschaulicher Materialien versuchen wir eine vorbereitete Lernumgebung zu schaffen, die handelndes, entdeckendes und ganzheitliches Lernen ermöglicht.
Durch unser Schulprofil Inklusion, unsere Flexiblen Eingangsklassen, die Kombiklassen 3/4 und auch durch das gemeinsame Lernen mit unseren Partnerklassen, haben wir eine große Bandbreite unterschiedlichster Lernniveaus. Wir versuchen dieser Vielfalt durch verschiedene Unterrichtskonzepte und neue Lernstrukturen gerecht zu werden. Dazu gehören zum Beispiel der Lernweg, die Tages- und Wochenplanarbeit, das Lernen an Stationen, der Werkstatt- bzw. Projektunterricht sowie die Freiarbeit. Wir Lehrkräfte sehen uns dabei als Lernbegleiter und unterstützen die Eigenaktivität unserer Schülerinnen und Schüler. All diese Konzepte bauen auf der Materialarbeit auf und ermöglichen verschiedene Formen des individuellen und gemeinsamen Lernens.
Jedes unserer Klassenzimmer verfügt über die Gleiche Grundausstattung mit bestimmten Materialien, welche überwiegend aus der Montessori-Pädagogik kommen bzw. sich stark an dieser orientieren. Das Material wird nach Möglichkeit frei zugänglich in offenen Regalen aufbewahrt und hat für die Kinder einen hohen Aufforderungscharakter sich damit auseinander zu setzen. Daneben kommen aber auch noch andere bewährte Arbeitsmittel zum Einsatz.
Nach einer entsprechenden Darbietung des Materials durch die Lehrkraft sind die Schülerinnen und Schüler in der Lage, selbstständig und in ihrem eigenen Lerntempo damit zu arbeiten. Für den jeweiligen individuellen Lernstand des Kindes gibt es entsprechende Materialien, die wichtige Einsichten bieten. Nahezu jeder Teilaspekt eines Lernziels wird somit Schritt für Schritt mit Material erfahrbar gemacht.
Viele der grundlegenden Materialien bauen dabei logisch aufeinander auf. Das Material kommt also in den verschiedenen Klassen immer wieder zum Einsatz und begleitet unsere Kinder bis in die Sekundarstufe. Das schafft ein großes Maß an Sicherheit. Der routinierte Umgang mit dem Material wird geübt, Erkenntnisse werden vertieft und weiterentwickelt.
Eine Vielzahl der Materialien beinhaltet dabei eine Selbstkontrolle. Sich selbst zu überprüfen führt zu wichtigen Lernprozessen und Erkenntnissen bei den Kindern. Eigenabwertungen wie „Ich kann das nicht, ich bin zu schlecht“ bleiben aus und die Lernmotivation bzw. Lernfreude bleibt erhalten.
Die gesamte Schulfamilie ist immer darum bemüht, sinnvolle Materialien neu anzuschaffen oder selbst herzustellen. Etliches ist dabei dem engagierten Einsatz von Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch dem von Schülern und Eltern zu verdanken (zum Beispiel die Gestaltung des Pausenhofs mit Lernspielen und Bau eines Wasserlaufs, die Herstellung eigener großer Perlenstäbe zum Rechnen oder der Bau von Sandwannen aus alten Schubladenelementen).
Lernbereich Mathematik
Im Bereich Mathematik bilden die von Montessori entwickelten Materialien, wie zum Beispiel das farbige und goldene Perlenmaterial, eine elementare Grundlage in unserem Unterricht. Jedes Kind ist durch den hierarchischen Aufbau unseres Mathematik-Materials in der Lage, entsprechend seines aktuellen Entwicklungsstandes, selbstständig und in individuellem Tempo zu arbeiten. Das Material kann in jeder Klassenstufe genutzt werden und ermöglicht den Kindern ein echtes und umfassendes Verständnis für mathematische Zusammenhänge. So können sich die Schülerinnen und Schüler damit den jeweiligen Zahlenraum und die Grundrechenarten handelnd erarbeiten. Aber auch geometrische Grundlagen, Erkenntnisse und Zusammenhänge werden spielerisch gewonnen.
Lernbereich DEUTSCH
Angefangen über Sandpapierbuchstaben oder das Schreiben in der Sandwanne bis hin zur Satzanalyse und zur Erarbeitung der Wortarten mit den Symbolen nach Montessori. Für den letztgenannten Lernbereich gibt es beispielsweise entsprechendes Legematerial, Wortartenteppiche, für alle Klassen gültige Wortartenschablonen, aufgemalte Wortartensymbole im Pausenhof oder Material zum Erzählen des Wortartenmärchens.
Lernbereich Heimat- und Sachunterricht
Für den Heimat- und Sachunterricht steht den Kindern nun ein neu gestalteter Forscherflur zur Verfügung. Dort können die Kinder zu Themen aus den Bereichen Geographie, Geologie, Biologie, Physik, Chemie, Astronomie oder Geschichte forschen und entdecken. Das sehr anschauliche und kindgerechte Material (z.B. zu den Themen Sonnensystem, Wasser, Luft, Wetter, Photosynthese, Kalender oder Länder/ Kontinente usw.) lädt zur vertieften Weiter- und Projektarbeit ein. Auch für übergreifende Zusammenhänge wie zum Beispiel die Entstehung der Erde oder die Entwicklung des Menschen gibt es ein umfangreiches Angebot an Material, welches die Lehrkräfte für ihren Unterricht und Präsentationen nutzen.
Die gesamte Schule als Lernfeld
Für uns findet Lernen nicht nur im Klassenzimmer statt, sondern wir begreifen das gesamte Schulhaus, einschließlich der Flure und des Pausenhofs, als Lernumfeld. Dementsprechend versuchen wir auch möglichst viele Bereiche kreativ und sinnvoll für unser Lernmaterial zu nutzen. Hierbei entstanden in den letzten Jahren
Modell eines Wasserlaufs im Pausenhof
ein Jahreszeitenteppich im Foyer
Treppenstufen zu den Einmaleinsreihen
Aufbau unseres Planetensystems an der Decke im Flur
Offene Schülerbücherei
Forscherflur
Winkel messen an der Tür
Arbeitsbereiche in den Gängen durch Klapptische
Dschungel mit Leseecke
Mathe-Arena am Boden
Unregelmäßige Vokabeln als Treppenstufen in der Mittelschule
Zeitleiste vom Keller bis zum Dach in der Mittelschule
Materialraum als Differenzierungsraum in der Mittelschule
Wir Lehrkräfte verstehen die Materialarbeit als Chance und Hilfe, pädagogisch immer wieder andere Wege einzuschlagen und Lernen „neu“ zu denken. Dabei trägt sie einen wesentlichen Teil dazu bei, der wundervollen Vielfalt unserer Schülerschaft gerecht zu werden und die Freude am Lernen zu erhalten.